Woher kommt Krätze und was hilft dagegen?

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Milbe Krätze

Was ist Krätze?

Die Krätze, auch „Scabies“ genannt, findet sich nicht selten in Erzählungen aus finsteren Zeiten wie dem Mittelalter oder aber in Verbindung zu Armut und Schmutz. Doch auch im modernen Deutschland tauchen immer wieder Meldungen über den Ausbruch der Krätze in den Medien auf. Aber was ist Krätze eigentlich? Wer kann sie bekommen und wie lässt sie sich behandeln?

Krätze ist ansteckend

Krätze wird durch parasitär lebende Milben ausgelöst, hauptsächlich durch die Krätzmilbe (Sarcoptes scabiei), gelegentlich auch durch verwandte Arten. Sie kommt auch bei Tieren vor und wird hier „Räude“ genannt, gemeinsam mit ähnlichen Erkrankungen. Eine Ansteckung ist möglich, daher sollte Hautkontakt zu betroffenen Tieren vermieden werden.

Die Milben sind normalerweise nicht sichtbar und messen weniger als 0,6mm. Sie bevorzugen warm-feuchte und dünne Hauptareale, in die die Weibchen Gänge bohren. Dort legen sie ihre extrem kleinen Eier ab, aus denen neue Milben schlüpfen. Diese Vorgänge unter der Haut lösen allergische Reaktionen aus, durch die es zum Juckreiz kommt.

Verbreitung der Krätze

Soweit bekannt, ist die Krätzmilbe weltweit verbreitet – eine klare Nord- oder Höhengrenze gibt es entweder nicht oder sie ist nicht klar zu bestimmen. Besonders stark verbreitet ist die Krätze jedoch in tropischen Gebieten. Hier sind insbesondere Subsahara-Afrika, einige Länder Südostasiens sowie östliche Teile Mittel- und Südamerikas betroffen. Daher sollten Reisende in diese Gebiete mit Insektenmitteln dagegen gewappnet sein. Treten während oder nach einer Reise Symptome auf, sollte der behandelnde Arzt über das Reiseziel informiert werden.

Aber auch in Deutschland sowie in ganz Europa mehren sich die Berichte über Ausbrüche der Krätze. Das hat verschiedene Ursachen: Zum einen sind viele Betroffene, ebenso wie Ärzte, nicht mehr geübt darin, die Krätze als solche zu erkennen – zu lange war sie ein seltenes Phänomen. Das bedeutet aber auch, dass bis zu einer Diagnose relativ viel Zeit vergeht, in der die Betroffenen Familienmitglieder, aber auch fremde Personen mit der Krätze anstecken können. Zum anderen sind in den vergangenen Jahren Reisen in die obengenannten Länder beliebter geworden – einige von ihnen aufgrund der verbesserten Sicherheitslage, andere, weil sie günstig zu bereisen sind oder gerade im Trend liegen.

Ansteckung mit Krätze

Eine Ansteckung mit der Krätze findet normalerweise durch Hautkontakt statt. Daher ist sie zwischen Familienmitgliedern oder Personen, mit denen sich Betroffene das Bett teilen, am häufigsten. Grundsätzlich ist jedoch auch eine Ansteckung über Kleidung oder andere Textilien wie Decken oder Polstermöbel möglich. Vor allem die Kleidung – auch die eigene – sollte gereinigt werden, beispielsweise durch eine Wäsche bei mindestens 60°C oder durch Einfrieren für mehrere Tage. Wichtig ist auch, etwaige Kontaktpersonen zu benachrichtigen. Denn Krätze kann auch dann schon ansteckend sein, wenn sie noch gar nicht bemerkt wird. Umgekehrt bricht die Infektion oft erst nach bis zu sechs Wochen richtig aus.

Personen, die in engem Kontakt mit Menschen, besonders in Gemeinschaftseinrichtungen, arbeiten, sind gesetzlich dazu verpflichtet, die Leitung ihrer Einrichtung über die Erkrankung zu informieren. Außerdem dürfen sie während der gesamten Infektionsdauer keine Gemeinschaftsräume benutzen oder weiterhin in Kontakt mit Menschen arbeiten.

Symptome bei Krätze

Die Symptome von Krätze treten meist erst einige Wochen nach der Infektion auf. Sie werden durch die Immunreaktion auf die Milben oder deren Ausscheidungen hervorgerufen. Das Leitsymptom ist Juckreiz, der als quälend empfunden wird und zum Aufkratzen der Hautareale führt. Weiterhin kommt es oft zu einem brennenden Gefühl, besonders, wenn die betroffene Haut erwärmt wird. Aufgrund der Infektion und des Kratzens entstehen Quaddeln, Pappeln, Blasen, Wunden und eitrige Furunkel. Hier sind auch teils schwerwiegend verlaufende Superinfektionen möglich. Krätze verläuft in unterschiedlichen Formen – eine Sonderform stellt die „Borkenkrätze“ (Scabies norvegica) dar. Hierbei entstehen großflächige, schrundige Hautverdickungen bei extrem starkem Milbenaufkommen. Sie tritt insbesondere bei Betroffenen mit Immunsystemproblemen auf (HIV, hohes Alter, weitere Infektion, etc.).

Wie wird Krätze behandelt?

Zur Behandlung der Krätze stehen unterschiedliche Medikamente bereit. Hauptsächlich werden Permethrin, Crotamiton oder Benzylbenzoat als Salben eingesetzt. Allerdings bestehen gegen alle drei Wirkstoffe bereits Resistenzen, sodass eine Therapie nicht immer erfolgreich ist und mitunter mehr als ein Wirkstoff ausprobiert werden muss. Als Nebenwirkung werden vor allem Hautreizungen beschrieben – auch hier kann das Medikament gewechselt werden. Weiterhin besteht die Möglichkeit, Ivermectin als zweimalige Tablettendosis einzunehmen. Insgesamt ist Krätze gut behandelbar, insbesondere, wenn die Therapie rasch erfolgt.